
János Kádár wurde damals in ein bestimmtes Land eingeladen, und als der Botschafter dieses Landes ihm die Einladung überbrachte, fragte Kádár nach dem vom Protokoll vorgesehenen Ablauf des Besuchs. Der Botschafter meinte, dass gleich nach seiner Ankunft eine Pressekonferenz stattfinden würde. Mit Sicherheit sei dabei auch die Frage zu erwarten, ob es in Ungarn ein Wallenberg-Denkmal gebe. Am Nachmittag des folgenden Tages ging Miklós Salgó, dessen Amtszeit in Ungarn dem Ende entgegenging, zu Kádár, um sich zu verabschieden. Anschließend kam er zu mir und erzählte, er habe zwei Stunden lang nicht gewagt, mit der Sache herauszurücken. Dann habe er sich doch ein Herz gefasst und gesagt: "Herr Generalsekretär, ich würde dem ungarischen Volk gern ein Wallenberg-Denkmal schenken". Kádárs Augen leuchteten auf, denn nun konnte er bei seinem bevorstehenden Besuch sagen, dass es in Ungarn ein Wallenberg-Denkmal gibt... Ich habe an jenem Abend noch vier Anrufe bekommen, die sich alle um das Wallenberg-Denkmal drehten. Einer davon kam von einem Stellvertretenden Vorsitzenden des Hauptstädtischen Rates. Der Mann war zwar aufgebracht, meinte aber trotzdem erleichtert, ich möge vorbeikommen, damit wir uns auf einen geeigneten Standort einigen können - um es kurz zu machen, zwei Wochen später stand das Denkmal auf seinem Platz.
Kádár, János
AntwortenLöschen* 25.Mai 1912 Fiume (heute Rijeka, Kroatien)
+ 06.Juli 1989 Budapest
Ungarischer kommunistischer Politiker. Mitglied der KPU seit 1931. Nach dem ungarischen Volksaufstand 1956 bildete er im sowjetischen Auftrag neue Regierung. Von 1956 bis 1988 Erster Sekretär des ZK, 56-58 und 61-68 zugleich Ministerpräsident.
Wallenberg, Raoul
* 02.Aug.1912 Stockholm
seit dem 17.Jan.1945 verschollen.
Schwedischer Kaufmann. Kam mit einem Diplomatenpaß Anfang Juli 1944 nach Budapest, um ungarische Juden vor der Deportation nach Deutschland zu retten. Mit Hilfe von schwedischen Schutzpässen und unter Schwedens Schutz gestellten Häusern gelang es ihm, etwa 15000 Menschenleben zu retten. Nach der Befreiung der Pester Seite durch die Rote Armee wurde er nach Moskau verschleppt. Laut offiziellen sowjetischen Quellen starb er am 17. Juli 1947 im Lefortowo-Gefängnis an einer Herzattacke.